Microgeophagus ramirezi 'Gold'

Auch wenn dieser Zuchtbericht schon einige Jahre auf den Buckel hat, denke ich, kann man ihn ruhig nochmal zeigen ;)

Ich möchte hier meine erste, erfolgreiche Zucht von meinem Mikrogeophagus ramirezi – Schmetterlingsbuntbarsch berichten. Ich habe sowohl ein Video

(--------> http://www.youtube.com/watch?v=aJlNfw2ctPk&feature=youtu.be),

als auch diesen Bericht erstellt. Der Bericht ist nicht so stumpf geschrieben, mehr mit etwas Humor in Form eines Tagebuchs, eben meinem Alter entsprechend. Ich hoffe dennoch, er weckt Interesse, hilft einigen User und wird mit Freude gelesen!

 

 

Kauf der Tiere (Tag 1)

Heute bin ich mit meiner Mutter einkaufen und zufällig auf ein Aushängeschild in einem naheliegendem Kaufhaus an einer Verkaufswand (Biete/Suche) geraten. Dort sah ich, dass jemand, nicht weit von mir, Schmetterlingsbuntbarsche günstik anbietet. Auf dem Schild zu sehen waren nur die 'normalen'. Im Einkauf dachte ich viel darüber nach. Vor etwa fünf Jahren pflegte ich schon mal welche, dass waren jedoch Baumarktfische, dessen Lebenserwartung recht kurz war. Hinzu kam, dass ich zu diesem Zeitpunkt erst seit zwei Jahren in der Aquaristik, und somit noch sehr unbeholfen war. Doch im ganzen Überlegen wusste ich, die Bedingungen für die Tiere wäre in meinem Diskusbecken, mit einem Volumen von 700 Liter, optimal, zudem ich gerade in dem Buch 'Zwergcichliden, Ihr Hobby' einige Informationen sammeln konnte, die ich noch nicht wusste. Also beschloss ich, dort wenigstens mal vorbei zu sehen.

Dort angekommen, brachte mich der nette Mann in seinen Keller, ausgestellt mit vielen Becken in denen sowohl ramirezi, als auch wuchtig große, dafür wunderschöne Diskus lebten. Auch diese zog er nach. In drei Becken sah man Elterntiere die ihre Jungen führten, alle in verschiedenen Stadien. Ich wusste sofort – hier bin ich richtig!

Die 'normalen' ramiz sind momentan F2 und F3 Nachzucht, die er zur Abgabe bereit stellte. Ich nahm acht Tiere mit. Einen großen, goldenen Mann aus einem Becken, und eine kleinere Dame aus einem Becken, welche von anderen Elterntieren stammen, damit keine Inzucht herrscht. Denn in meinem Köpfchen schwebte der Gedanke selber mal die Aufzucht beobachten zu können. Das selbe tat ich bei den normalen, ich wählte die Tiere aus verschiedenen Becken, habe sogar ein großes Zuchtmännchen bekommen.

Neben den acht Barschen, wo eigentlich nur ein Paar geplant war, Apfelschnecken und viel wissen machte ich mich gleich auf dem Heimweg. Zuerst wollte ich den großen, normalen Mann mit einer eher kräftigen Dame in mein Zuchtbecken setzen, welches folgendermaßen aussieht:

 

Einrichtung:

• Tetra 30 Liter

• Sera F-1200 Schwammfilter

• Kein Bodengrund für eine bessere Hygiene

• Kieselsteine, Schieferblatt & Tonscherbe als Laichsubstrat

• Pflanzen: Vallisneria, Javafarn, Muschelblume (Für schwaches Licht)

 

Wasserwerte:

• PH ~ 7,0

• Temperatur 27 C°

• Alle 2 Tage Wasserwechsel von etwa 30 %

 

Das Becken diente erst vor Kurzen als Aufzuchtsbecken. Der Innenfilter war in einem Becken seit Monaten für solche Fälle in Betrieb.

Nun fängt mein eigentlicher Bericht an:

Doch kein Paar? (Tag 1)

Heute wollte ich doch gleich mal nach meinen Schützlingen gucken. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich denn wirklich ein Weibchen habe. Sie hat relativ lange Rückenflossenstrahlen und keinen roten Bauch. Nur ihr zierliches Erscheinungsbild tendierte hierzu. Die beiden sind sehr scheu, was man ihnen nicht verübeln kann. Von einer ruhigen Kellerwohnung in ein Zimmer mit Menschen zu kommen ist schon sehr ungewohnt...

 

Bäumchen wechsle dich... (Tag2)

Es ist 11 Uhr, das Licht geht an. Als ich das vermutliche Weibchen nur in einer Ecke stehen sah und das Männchen ruppig an ihre flanke biss, beschloss ich, die Tiere lieber in das Diskusbecken zu überführen, bevor es zu ernsthaften Verletzungen kommt. Stattdessen nahm ich die immer zusammen schwimmenden goldenen ramiz. Hier wusste ich doch gleich worum es sich handelt, und diese schienen sich auch gut zu vertragen. Am Abend beschlagnahmte das Männchen auch schon gleich das Schieferblatt, doch das Weibchen durfte hier nicht hin.

 

Kleiner Hoffnungsschimmer (Tag3)

Es ist mal wieder 11 Uhr und natürlich fallen meine Blicke sofort zu meinen Barschen. Die Pfauenaugenbarsche, die in einem großem Becken genau gegenüber verträumt umher schwimmen, scheinen für mich nun nicht mehr die interessantesten Barsche im Haus zu sein 'grins'

Das Männchen verteidigt das Revier noch vor dem Weibchen. Jedoch nicht mehr so ruppig wie am Vortag.

Es ist Nachmittag. Das Männchen beginnt mir heftigem Zucken und Rütteln, plüscht sich vor der Dame auf. Diese schwamm erst unbeachtet vor ihm weg, doch ging relativ schnell auf sein 'Gehabe' ein. Nun duldet er sie in seinem Revier. Ich dachte schon, das ist doch ein gutes Zeichen?

 

Ja was seh' ich denn da? (Tag 4)

Mensch. Man könnte meinen, die Barschfrau ist ein wahrer Morgenmuffel. Sobald das licht an geht, stänkert sie mit Ihrem Gatten rum. Das konnte ich gestern schon beobachten. Aber zum Glück legt dies sich schnell.

Heute sehe ich doch glatt, die Tiere putzen das Schieferstück! Ihr Verhalten änderte sich dramatisch. Sie wurde zunehmen ruhiger zu ihm. Auch die Farbe veränderte sich beiderseits: Der Mann als auch die Dame verkamen leuchtend orangerote Hauben, das Männchen wurde blauer, das Weibchen bekam einen rosa/violetten Bauch. Das brachte mir ein leuchten in die Augen. Ich habe seit mehr als 2 Jahren immer wieder erfolgreich blaue Skalare gezüchtet, im Moment ist das sehr gut harmonierende Paar auch schon wieder am Putzen. Einige Verhaltensweisen konnte ich mir somit ableiten und wusste, das gemeinsame putzen ist die Vorbereitung auf Nachwuchs. Dennoch konnte es natürlich sein, das sie dies wieder beenden. Auch schwebte der Gedanke, das sie es wohl möglich wieder fressen werden. Doch da sie selber keine eigene Aufzucht, sondern auch bis zu einem alter von 1 ½ – 2 Monaten bei ihren Eltern blieben, war das nur ein Nebengedanke. Ich fürchtete mehr auf zu viel Streit, sprich keine Harmonie. Aber mal sehen, die Hoffnung stirb zuletzt!

Für die Dame wäre es höchste Zeit. Sie ist doch sehr Ausgebeult, wirklich sehr fett. Am Abend sah ich, das sie ihre Legeröhre draußen hat. Ich erhoffte noch Nachwuchs an diesem Tag, doch dazu kam es nicht mehr.

Und plötzlich wollen es alle!

 

1. Tag - Eiablage, ca. 100 Eier

Man könnte meinen, heute ist Tag der verliebten: Das Ramipaar ist schwer am Balzen, die Pfauenaugen zeigen sich gegenseitig ihr buntes Farbkleid, balzen ebenfalls. Die Skalare sind schwer am putzen. Der Kampffisch in einem anderen Becken erbaute sein Schaumnest und – siehe da! Das vermeintlich verhasste erste Paar der kleinen ramiz hat im Diskusbecken für Diskusionen gesorgt lach und hat eine Kuhle gegraben.

Es ist Abend, etwas über 18 Uhr. Ich komm vom Essen, um meine Diskus ebenfalls zu versorgen. Aus Neugier schaute ich natürlich mal in die kleine Kuhle. Und wow – diese ist ja voller Eier! Ich hätte damit nicht gerechnet, wenn ich sehe, wie sehr sie sich doch bekämpften. Scheinbar haben sie ihre liebe doch noch gefunden. Ich überlasse den Tieren ihre Brut, denn von künstlicher Aufzucht, gerade bei F2 Tieren halte ich doch sehr wenig. Doch in diesem Bericht möchte ich nicht näher auf dieses Paar eingehen.

Aber in dem Moment dachte ich mir, mal sehen was das glückliche Ehepaar im Obergeschoss so treibt. In diesem Moment konnte ich ihnen über stunden beim Ablaichen zusehen... Ein tolles Bild.

Das Weibchen streicht mit ihrer Laichröhre über das Stück Schiefer, welches sie mit hoher Gründlichkeit putzten. Das Männchen beobachtet in diesem Moment die Umgebung. Sobald das Weibchen sich erhebt, streicht auch das Männchen über die frisch gelegten Eier, um diese zu Besamen. Dieses Ereignis erstreckte sich über knapp 4 Stunden. Ich konnte beobachten, wie sich einige Eier lösten, wenn das Männchen über das Nest fuhr. Ist das wohl ein schlechtes Zeichen?

 
2. Tag, ca. 80 Eier

Ich war heute einfach zu ungeduldig. Ich war früh auf und schaute mit einer nicht all zu hellen Taschenlampe in das Becken herein. Ich kenne es von Skalaren, das frische Paare oft über Nacht ihre Eier fressen. Doch zu meinem erstaunen war das Nest unberührt. Lediglich vereinzelte weiße Eier waren zu erkennen, doch im Vergleich zum gesamten Nest wirkte das nach sehr wenigen. Das Männchen schien genau über den Eiern geschlafen zu haben, denn er hatte, als das Licht an ging eine ähnliche Haltung.

Licht an, Augen auf die Barsche! Es war einfach nur zu süß! Doch man(n) merkt schnell, das die Frau hier die Hosen... nun ähm... Die Schuppen an hat. Sie scheucht ihn gut umher, vor allem, wenn er sich um die Brut kümmern soll. Das Männchen schwimmt immer in der nahen Umgebung, scheint, als würde er schauen, das keine Feinde kommen. Ich konnte jedoch beobachten, das das Weibchen hin und wieder plötzlich zu dem Männchen schwamm, ihn in die Flanke stupste. Anschließend bewachte das er das Nest und das Weibchen die Umgebung. Dieses Ereignis wiederholte sich, auch das Männchen tat dies, nur nicht so grob.

Sehr Interessant ist das Pflegeverhalten. Die Tiere, ob Männchen oder Weibchen, stellen sich nah über das Nest, sie berühren es schon fast. Mit einer leichten Krümmung des Körpers und einer Schräglage über das Nest fächeln sie mir ihren Seiten- und den gesamten Flossen im Bauchbereich. Hiermit belüften sie das Nest und pusten Dreck und Unreinheiten heraus. Mit sanften 'picken' werden dann die weiß gewordenen Eier entfernt. Die, die abfielen und im das Nest herum lagen, wurden behutsam in das Maul genommen und wieder in das Nest gebracht. Beim nächsten fächeln flogen diese zwar wieder heraus, doch immer und immer wieder wurden sie neu eingesammelt.

Gegen Abend sah ich, das sich noch einige Eier weiß färben. Dies ist nicht, wie oft rum posaunt wird, verpilzung der Eier. Die Eier, die weiß werden, sind diese, die nicht befruchtet wurden. Das in den Eiern vorhandene Eiweiß gerinnt und wirkt somit weiß. Von verpilzten Eiern kann man erst dann sprechen, wenn diese lange, weiße Fäden an sich haben. Doch bei einem gut pflegendem Paar geschieht dies nicht.

Beide Tiere putzen ausgiebig das Nest. Weiße Eier werden behutsam entfernt. Auch wenn sie sich hierbei etwas schwer tun.

 
4. Tag, ca. 80 Larven

 

Für Heute kann ich keine großen Neuigkeiten berichten. Über Nacht streuten sich die Eier. Überall lag mal eins. Dich alle Eier wurden umgebettet und werden energisch von beiden Eltern bewacht. Das es weniger wurden, kann ich nicht beurteilen. Diese kleinen Geschöpfe lassen sich schwer zählen. Hauptsächlich kümmert sich die Mutter um die Babys, der Mann behütet die Umgebung. Immer wieder nimmt sie die Larven, die durch ihr fächern etwas Abseits 'kullerten' eingesammelt und in die Mitte der anderen gespuckt.

 
6. Tag – Freischwimmen der Larven, ca. 80 Babys

Heute waren meine zwei ziemlich im Stress! Schon kurz nachdem ich das Licht anmachte, sah ich, wie einige Larven 'hopsten'. Sie kamen teilweise sehr Hoch, jedoch nicht weit. Die Eltern waren Stunden damit beschäftigt, ihre kleinen Ausreißer zu bändigen. Immer wieder nahmen sie mehrere, bis zu 6 Babys in ihre Mäuler und überführten diese zu den Geschwistern. Doch von Stunde zu Stunde schwammen immer mehr Jungfische umher.

Wie alle Veränderungen am Tage geschah auch wieder abends gegen 18 Uhr neues. So ziemlich alle Babys begannen in einem größerem Radius zu schwimmen. Jedoch nicht weit von ihren Eltern. Viele pickten bereits an den Scheiben, andere sogar an den Eltern. Hin und wieder wurden welche eingesammelt, doch schnell gaben es die Eltern auf. Kurz vor der Ausschaltung der Beleuchtung wurden jedoch alle Babys beisammen gebracht und wieder in ihr Nest gebettet. Mals sehen, was der morgige Tag mal wieder bringt!

 

7. Tag, ca. 80 Larven

Heute Morgen reingeschaut, herrschte schlechte Stimmung unter den frisch gebackenen Barscheltern. Ihre Jungen waren quer im Becken verteilt, bis in die kleinsten Ecken. Großes geschubste und Gerangel herrschte zwischen den Eltern, das gut 3 Minuten lang. Ich machte mir schon sorgen, dies wohl unbegründet. Ich ging nur kurz auf Toilette, als ich wieder kam, herrschte der Haussegen und die Jungen waren schon wieder alle beisammen.

Das erste Futter wurde angereicht. Da ich ein gerettetes Skalarbabys für meinen Eigengebrauch doch selber groß zog, waren immer frische Artemia vorhanden. Diese zog ich mit einer Spritze auf, wie man sie von Testkoffern der Marke Sera oder JBL kennt, und Filterte sie über ein Nylonsöckchen. Das gefilterte Futter überführte ich in eine größere Spritze, um das Futter besser in das Barschgetummel zu überführen. Das klappte ganz gut, mindestens die Hälfte der Jungen schwimmt nun mit vollen, orangeleuchtenden Bäuchen umher. Dieser Vorgang wird nun vier – sechs mal am Tage durchgeführt.

Die Eltern fangen immer wieder Junge ein und überführen sie zu den anderen. Besonders schön zu beobachten ist, das die kleinen ihren Eltern auf jede Bewegung hin folgen. Ab und zu Teilen sie sich auf, ein Teil bei der Mama, ein anderer bei Papa. Sie picken einfach alles an, was sie finden. Gerade in den Algen wird kleinste Nahrung gesucht und wohl auch gefunden. Mal sehen, wie sich die kleinen entwickeln werden.

Hiermit möchte ich mein Video-Tagebuch und meinen Bericht beenden. Auf Wunsch gebe ich jedoch weitere Informationen ab.

Ich hoffe der Bericht ist für einige Hilfreich und interessant? Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!

 

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